Wir wollten dieses Jahr wieder was neues ausprobieren für unsere alljährliche Pfingstausfahrts-Tradition. Saou in Frankreich ist sehr verlockend mit einer super Abischerung beim Sportklettern, einem mega Routenangebot mit Schwierigkeiten von 3b bis 7b fußläufig von einem netten Camping mit Hühnern und natürlich die besten Pain-au-chocolats. Eigentlich echt ein Traum wäre da nur nicht die super teure TGV Anreise, die dann auch sehr schnell ausgebucht war für unsere große Gruppe von 26 alten und neuen Hasen in der JuBe. Nach langem etwas hin und her wurden dann private PKWs vollgestopft, was leider sogar günstiger ist als die Bahnanfahrt. Die für unsere Gruppe unübliche Art der Fortbewegung hat echt für Diskussionen gesorgt und man fragt sich wie das mit der CO2 Neutralität jemals funktionieren soll, wenn die Bahnen immernoch weniger bezuschusst werden als die Öl- und Autoindustrie! Für das nächste Jahr haben wir schon beschlossen alles daran zu setzen mit dem Zug anzureisen, und unserer Einstellung wieder treu zu werden.


In Saou angekommen auf dem Camping errichteten wir unser Lager mit zwei großen Materialzelten, einigen Hängematten Spots und einem Sitzkreis aus den Crashpads. Die ersten zwei Tage dienten vorallem dem Kennenlernen der bunt gemischten Gruppe aus neuen und alt bekannten JuBes: wir tanzten den Disco Wup, “dateten around the clock” jede Stunde wen anderen, damit alle die sich noch nicht so gut kannten in Kontakt kommen konnten und waren am ersten Klettertag alle zusammen am gleichen Sportkletterfels und reflektierten dabei gemeinsam über Sachen die uns beim Klettern wichtig sind. Das war z.B. wie wir mit Sicherheitsrelevanten Fehlern umgehen und worauf beim Klettern draußen im Vergleich zum Hallenklettern zu achten ist.


Wir hatten eine sehr heiße Woche erwischt, was die Möglichkeiten für Mehrseillängen klettern etwas einschränkte, denn quasi alle fußläufigen Optionen waren zwischen Süd-Ost, Süd und Süd-West exponiert. Der schon von weitem sehr imposant wirkende Pfeiler Aguille de la Tour, wurde zum allgemeinen Mehrseillängen Favoriten. Routen in verschiedenen Graden beinhalteten zwischen 100 und 120 Kletterhöhenmeter und damit eine spaßige Beschäftigung bis die Sonne rumkam. Um bis dahin beim Abseilen zu sein, wurde oft um 6 Uhr früh oder noch früher am Campingplatz mit dem Zustieg gestartet. Dafür konnte man sich quasi von den Hühnern wecken lassen, aber das Klettern war das frühe Aufstehen allemal wert und oft wurde dafür mittags kollektiv am Camp gechillt mit bisschen Musik, Kaffee und Snacks bevor es losging zu einem Spaziergang an unseren Badespot im nahgelegen Bach. Der war so eiskalt, dass die Hitze schnell vergessen war, danach konnte man sich noch ein Eis im Cafe oder Bioladen im pitoresken Dorf gönnen, das machte das Urlaubsfeeling perfekt.






Die Hitze sorgte unter anderem auch dafür dass wir oft als ganze Gruppe unterwegs waren und man nicht nur die Kletterpartner*innen der eigenen Seilschaft besser kennen lernen konnte, dass wurde auch als sehr positiver Effekt wahrgenommen. Zudem gab es jeden Nachmittag nach der Tourenplanung einen thematischen Input mit der ganzen Gruppe was uns auch nochmal zusammen gebracht hat. Von einem angeleiteten Yoga und Akrobatik Input zu verschiedenen Skills die beim Alpinklettern relevant sind: wie kann ich ein Hängetrauma vermeiden und die Person in ein Päckchen bringen, Knotenkunde, am Seil aufsteigen, Wetterphänomene und Gefahren in den Bergen, von Platte auf HMS beim Nachsichern wechseln, peröhnliche Sicherheitsausrüstung checken, wichtige Punkte zu erste Hilfe in den Bergen wissen, sowie das erste Hilfe Kit durchschauen und verwenden können. Das war richtig cool, was für ein Nachmittagsprogramm wir da noch auf die Beine gestellt haben und, dass wir so viel voneinander lernen und mitnehmen konnten, auch wenn man vieles schonmal gehört hat oder auch weiß gibt es oft noch kleine Kniffs und Tricks oder neue Lehrmeinungen über die sich ein Austausch wirklich lohnt.




Highlights der Woche waren sonst noch: Ein ausgewogenes zweigänge Menü jeden Abend auf den zwei großen Hocker-Kochern, nicht selten hat man gehört, dass die Leute in der Woche gesünder und frischer gegessen haben als zu Hause. Eine Gruppe brach eines abends auf zu einem Biwack Abenteuer auf dem Plateau des Hausbergs mit perfekter Sicht auf den Sonnenuntergang. Weitere Abendaktivitäten waren Top Ten spielen, das kam so gut an, dass jeden Abend immer mehr mitspielten und wir am Ende eine große Spiele-Runde mit zweier Teams machten. Auch wurde oft danach noch ein Buch vorgelesen, wobei man auf den Crashpads liegend super in den klaren Sternenhimmel schauen und nach so einem aufregenden Tag gut runter kommen konnte. Die Hühner, die wir nach bisschen Eingewöhnung auch auf den Arm nehmen konnten sorgten immer wieder für freudige Momente oder lustige Überraschungen, wenn sie sich bei den Trockentoiletten mal wieder in den Karton mit sauberem Holzstreu kuschelten. Die Woche ging viel zu schnell um, aber wegen des sich summierenden Schlafmangels war es auch gut, dass am Samstag Abend alle wieder heile nach Freiburg zurück gekommen sind und sich erholen können für die nächsten gemeinsamen Abenteuer.
Text: Sophia Dehnen





