Das Skihütten-Paradoxon – Die JuMa auf Ausfahrt am Albulapass

Auf dem Weg zum K2 (Piz Murtel Trigd). Foto: Bernhard

Das Hummel-Paradoxon steht für die Legende einer Diskussion unter Aerodynamikern in der Göttinger Kneipenszene im frühen 20. Jahrhundert. Die Hummel habe eine Flügelfläche von 0,7cm² und ein Gewicht von 1,2g. Damit könne sie unmöglich fliegen. Doch der Hummel war das egal.

Im Folgenden sei nun das Skihütten-Paradoxon beschrieben. 30 Menschen aus Freiburg möchten eine Woche gemeinsam auf einer Hütte in der Schweiz verbringen und dabei nur öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Zur Ausübung des Bergsports haben sie natürlich ihre komplette Skitourenausrüstung dabei. Außerdem benötigen sie zum Überleben etwa 240kg kalorienreiche Lebensmittel. Das wird doch nichts, sagten selbst langjährige DAV-Mitglieder, denen ein nachhaltiger Lebensstil ein ernsthaftes Anliegen ist. Das könnt ihr nicht tragen, das ist zu sperrig für die Bahn, die schmeißen euch aus dem Zug, nehmt doch ein Gepäckauto mit. Das waren einige der Bedenken. Doch die JuMa blieb hartnäckig…und setzte sich zu einer sorgfältigen Planung zusammen.

Ein bisschen Glück bei der Hüttensuche war dabei. Denn in Preda am Albulapass fanden wir eine freie Hütte, die mit nur einem Umstieg eine tolle Zuganbindung an Freiburg hatte. Außerdem bot sie ein gutes Duzend Skitouren unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade direkt vor der Haustür. Bei der weiteren Planung konnten wir auf die Unterstützung des Reisebüros Gleisnost zählen, dass uns auch über Gepäckrestriktionen der Deutschen Bahn aufklärte und unsere Reisegruppe vorab ankündigte. Sogar kleinere Anpassungen der Gruppengröße waren bis ca. 2 Wochen vor Abfahrt möglich. Eine Herausforderung für das Essens- und Einkaufsteam blieb die Zusammenstellung eines reichhaltigen, aber möglichst leichten Speiseplans. Den Transport konnten wir als Team lösen. Denn jeder Mitreisende ließ in seinem Gepäck Platz für ein 8kg Essenspaket und ermöglichte damit an jedem Abend ein 2-Gänge-Menü auf der Hütte.

Belastungstest der Rolltreppe beim Umstieg. Foto: Felix E.

Nach kurzweiliger und unproblematischer Anreise in Preda angekommen, konnten wir die Früchte unserer Arbeit genießen. 10 abwechslungsreiche Gipfel lockten mit teils einfachen, teils anspruchsvollen Touren, Kletterpartien inklusive. Trotz Lawinenwarnstufe 2 konnten wir viele spontane Abgänge vor allem an Südhängen beobachten. Diese mieden wir in der Routenplanung und stießen dabei auch auf die ein oder andere unberührte Pulverschneeabfahrt. Dank dem Einsatz von Julia, Jo und Sven kamen auch Skitour-Einsteiger auf ihre Kosten. Wem das Angebot noch nicht ausreichte, der konnte sein Glück beim Eisklettern vorm Haus oder beim Schneehöhlenbau versuchen. Und schließlich gab es noch die Passstraße von Preda nach Bergün, die im Winter zu einer der längsten Schlittenabfahrten Europas umfunktioniert wird. Einkaufen fahren wurde damit zum Privileg.

Alles in allem ist uns also trotz anfänglicher Gegenstimmen eine tolle Ausfahrt gelungen. Zweifeln auch Sie noch an der nächsten Gruppentour mit öffentlicher Anreise? Wir helfen gern und bieten Beratung und Erfahrungsberichte gegen Kuchen. Anfragen per Mail an juma@jdav.de.

Der ehemalige erste Vorsitzende Jakob Lohmann in seinem Element. Foto: Bernhard

Text: Felix Eger
Inspiration: Snic